Wissenswertes zur Windenergie

13.07.2020 | Fragen und Antworten aus dem Bürgerdialog
 
Beim 1. Bürgerdialog zur Windenergie im Höhenkirchner Forst hatten die Bürger*innen aus Höhenkirchen-Siegertsbrunn die Möglichkeit, ganz konkrete Fragen rund um das geplante Windradprojekt zu stellen. Leider konnten während der Veranstaltung aus zeitlichen Gründen nicht alle Fragen beantwortet werden. Das möchten wir an dieser Stelle nachholen. Einen Rückblick auf die Veranstaltung finden Sie hier. Weitere Informationen rund um das Projekt gibt es regelmäßig auf der Projekt-Homepage.

Themengebiet Prozess / Verfahren / Terminierung

Fand bei der Wahl des Ingenieurbüros eine öffentliche Ausschreibung statt?
Ja. Der Landkreis München hat für die ARGE Hofoldinger Forst eine entsprechende Ausschreibung durchgeführt. Der Auftrag für die ARGE Höhenkirchner Forst wurde als Folgeauftrag vergeben.

Welche Projektrisiken gibt es derzeit noch? Welche davon sind Show-Stopper?
Die Ergebnisse der Windmessung und der naturschutzfachlichen Untersuchungen müssen abgewartet werden, bevor entschieden werden kann, ob eine Fortführung des Projektes zu empfehlen ist.

Wann und wie werden die Ergebnisse der derzeitigen Untersuchungen zu Brutvogellasten ect. öffentlich bekannt gegeben?
Nach Beendigung der Untersuchungen werden diese den Gremien (ARGE, Gemeinden) vorgestellt. Dies wird voraussichtlich im 1. Quartal 2021 sein. Anschließend werden die Ergebnisse veröffentlicht.

Wer entscheidet schlussendlich darüber, ob die Anlagen tatsächlich gebaut werden?

Die an der ARGE beteiligten Kommunen.

Themengebiet Bürgerbeteiligung

Wie ist die Bürgerbeteiligung konkret geplant? Ab welchem Betrag kann man einsteigen?
Eine finanzielle Beteiligung der Bürger*innen ist Grundpfeiler des Projekts. Das Projekt steht allerdings noch ganz am Anfang, weshalb diese Fragen erst geklärt werden, wenn klar ist, dass die Anlagen auch tatsächlich umgesetzt werden.

Wie werden die Bürger der anderen anliegenden Gemeinden, also vor allem Grasbrunn (mit Harthausen), Putzbrunn und Hohenbrunn über die Planungen informiert?
Die umliegenden Gemeinden sollen beteiligt werden. Über die Ausgestaltung dieser Beteiligung wird in den nächsten ARGE-Sitzungen gesprochen.

Falls sich die Gemeinden gegen einen Bau der Anlagen entscheiden, können dann private Investoren "übernehmen"?
Die ARGE wird definitiv keine Verträge weitergeben. Ihr ist daran gelegen, keine Fremdinvestoren in den Wald zu lassen. Über die weitere Verwendung des Grundstücks entscheidet letztlich jedoch der Grundstücksbesitzer, die bayerischen Staatsforsten.

Wer ist der Betreiber/Investor?
Das ist noch nicht entschieden und wird in der ARGE erarbeitet, wenn klar ist, dass gebaut wird. Bürgerbeteiligung ist allerdings vorab schon gesetzt.

Themengebiet Rechtliches

Die ARGE / die Gemeinden begründen ihre Initiative damit, selbst die Windkraftplanung auf dem Gebiet unserer drei Gemeinden aktiv zu steuern. Aber können private Investoren nicht weitere Windräder dazustellen oder an einem weiteren Aufstellort auf dem Gebiet unserer drei Gemeinden weitere Windräder installieren?
Nein. Der Wald wurde großflächig gepachtet, um dies zu verhindern.

Wem gehören die benötigten Grundstücke heute (Windrad, Ausgleichsflächen, ...) und zu welchem Preis werden diese angeschafft werden müssen?
Den bayerischen Staatsforsten. Über die Konditionen wurde, wie üblich, Stillschweigen vereinbart.

Gibt es verbindliche Zusagen (von wem?), den tatsächlich produzierten Strom jederzeit zu 100% abzunehmen? Wie lange gelten diese verbindlichen Zusagen?
Der erzeugte Strom kann aufgrund des geltenden Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für 20 Jahre vorrangig und preissicher in das Stromnetz eingespeist werden.

Stimmen Sie zu, dass die Erfahrung gezeigt hat, dass - wenn erst mal Anlagen im Wald aufgestellt wurden - weitere Anlagen dazu kommen werden und somit weitere Waldflächen zerstört werden?
Das ist reine Spekulation. Derzeit gilt in Bayern die 10H-Regel. Innerhalb dieser Zonen besteht Baurecht für Windanlagen. Im Höhenkirchner Forst gibt es aufgrund von baulich notwendigen Abständen keine Möglichkeit, innerhalb des bestehenden Baurechts weitere Windanlagen zu errichten.

Themengebiet Klimaschutz

Glauben Sie wirklich, dass CO2-Einsparungen in Deutschland (2,3% der Welt) eine signifikante Auswirkung auf die Globaltemperatur haben?

Ja. Zweifellos trifft das nicht zu, wenn nicht alle Länder ihre eingegangenen Verpflichtungen aufgrund der Pariser Vereinbarungen erfüllen. Deutschland trifft eine besondere Verantwortung zu handeln, weil unser Ausstoß mehr als doppelt so hoch ist wie er uns aufgrund unserer Bevölkerungszahl zusteht, weil wir uns es wirtschaftlich leisten können, weil wir über die notwendigen Technologien verfügen und weil uns sehr viele andere Länder zum Vorbild nehmen.

Wie hoch ist der menschliche Anteil am Gesamtausstoß des CO2?
Ca. 0,04 Volumenprozent. Dies verleitet Klimaskeptiker zur Vermutung, dass dieser geringe Anteil keine so enormen Auswirkungen haben könne. Doch der geringe Wert täuscht über die Klimawirkung von Kohlendioxid hinweg. Wichtiger als die Konzentration ist schließlich die Wirkung, so wie der Mensch kiloweise Zucker essen kann, aber wenige Nanogramm eines Giftes ausreichen können, um zu töten.

Wie werden die CO2 Emission gemessen ?
Wie wird der Energieverbrauch in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gemessen ?

CO₂ absorbiert Infrarotstrahlung. Diese Eigenschaft macht man sich bei der Messung zu eigen: In einem standardisierten Verfahren, das von Charles David Keeling in den 1950ern entwickelt wurde, wird permanent Luft durch eine zylindrische Kammer gepumpt, an deren Enden sich jeweils Glasscheiben befinden. Durch die eine Glasscheibe wird Infrarotstrahlung in den Zylinder abgegeben. Hinter der gegenüberliegenden Glasscheibe erfasst ein Infrarotsensor die an diesem Ende des Zylinders ankommende Strahlung. Aus der Differenz zwischen der abgegeben und der gemessenen Strahlung lässt sich der Stoffmengenanteil von CO₂ in der Luft errechnen. Vergleichbar ist diese Methode mit einer Lichtschranke.

Um diese Art der Messung so präzise wie möglich zu gestalten, wird die Luft vor der Messung in einer Vorkammer getrocknet und die Luftfeuchtigkeit während der Messung unabhängig von Niederschlägen oder Tages- oder Nachtzeiten auf einem konstanten Wert gehalten. Diese Messmethode funktioniert nur an wenigen Orten der Welt derart präzise, wie in der 1957 von Charles David Keeling errichteten Station auf dem Vulkan Mauna Loa auf Hawaii. Mit 5270 km² ist der Mauna Loa einer der größten Vulkane der Welt.

Die geringe Vegetation sowie das Fehlen zahlreicher anderer Einflüsse (wie etwa industrielle Abgase in direkter Nähe) und die exakte Beobachtung von Ausbrüchen ermöglichen hier eine besonders präzise Messung und Messfehlerkorrektur. Einmal pro Stunde wird die kontinuierliche Messung der Luft unterbrochen. Dann wird die Kammer für eine Viertelstunde mit drei unterschiedlichen Gaskonzentrationen „durchgespült". Diese stündlich eingeleiteten Referenzkonzentrationen dienen der Kalibrierung der Messstation.

Den exakten Stromverbrauch kann man beim Energieversorger erfragen. Weniger exakt sind Berechnungsverfahren für Wärmeverbrauch und Energieverbrauch für die Mobilität. Aber auch hier gibt es einheitliche Vorgehensweisen, die sehr gute Annäherungswerte liefern.

 

Themengebiet Energieerzeugung / Versorgungssicherheit

Wer sichert den Wind, wenn wir ihn brauchen und woher kommt der Strom bei Windflaute und Dunkelheit?   
Photovoltaik und Windenergie ergänzen sich ganz hervorragend. Die Sonne scheint vorwiegend im Sommer und tagsüber. Der Wind nimmt in den Abend- und Nachstunden sowie im Winter zu. Ergänzt werden müssen diese beiden Technologien mit Biomasse und durch geeignete Speichersysteme.

Sind Leitungen von Nord- nach Süd-Deutschland keine Lösung?
Die Akzeptanz der Stromleitungen ist leider auch nicht sehr hoch. Es ist doch wichtig, die Wertschöpfung in der Region zu halten und das Abwandern der Firmen in den Norden, aufgrund dortiger geringerer Strompreise, zu verhindern.

Wieso reden Sie im Kontext der Energiewende nur über den <25% "Stromsektor", was ist mit dem "Wärmesektor", der mehr als 50% im Endenergieverbrauch ausmacht?
Die Wärmewende ist ein Teil der Energiewende, die es genauso zu meistern gilt wie die Stromwende. Ohne die Wärmewende ist die Energiewende nicht zu schaffen. Jedoch wird die Sektorenkopplung immer wichtiger, da in Zukunft viele Wärmeerzeuger von Strom betrieben werden (z.B. Wärmepumpe) sowie der Verkehrssektor elektrifiziert werden wird.

Warum nennen Sie nur Photovoltaik und Wind als Alternativen während die weitaus interessanteren Alternativen wie Geothermie und Kraft-Wärme-gekoppelte BHKWs nicht genannt werden? Warum weisen Sie nicht auf deren deutlich höheres Potenzial insbesondere im Wärmesektor hin?
Auf keine der Optionen regenerativ Energie zu erzeugen kann verzichtet werden. Wir empfehlen hier absolute Technologieoffenheit. Das Tiefengeothermie-Potenzial im Landkreis München ist außergewöhnlich hoch und sollte maximal ausgeschöpft werden. Dies wird uns auch im Stromsektor, aber vor allem im Wärmesektor weiterhelfen.

Kann der Elektrolyseprozess zur Erzeugung von Wasserstoff überhaupt intermittierend (d.h. je nach Anfall von Überschussstrom) funktionieren?
Ja. Wirtschaftlich sinnvoll ist das allerdings erst, wenn relevante Laufzeiten zustande kommen. Das bedeutet, dass wir noch einen erheblichen Zubau an regenerativen Energieerzeugungsanlagen brauchen.

Welche Priorität wird diese Anlage bei der Stromproduktion im Vergleich zu "herkömmlichen" Anlagen (Atom, Gas, Kohle) haben?
Der Ausstieg aus Atom und Kohle wurde vom Bund bereits beschlossen. Auch Erdgas ist fossil und wird in einer postfossilen Energiewelt keine große Rolle mehr spielen. In einer "dekarbonisierten" Gesellschaft wird die benötigte Energie ausschließlich regenerativ erzeugt.

Stimmt es, dass eines der geplanten Windräder in etwa so viel Strom liefern würde wie PV-Anlagen auf 1000 EFH-Dächern?
Das ist richtig, wenn man Anlagen mit 10 Kilowatt (Peak), also schon relativ große Anlagen, zugrunde legt.

Themengebiet Windmessung

Hat die Windmessung schon begonnen, wo wird gemessen?
Ja, die Windmessung startete im Juni und läuft bis Ende diesen Jahres. Das Messgerät steht auf einer Lichtung in der Nähe der möglichen Standorte.

Sind die Daten der Windmessung für die Bürger einsehbar?
Nach Abschluss der Untersuchungen werden die Daten veröffentlicht.

Welche Windgeschwindigkeiten brauchen die Anlagen, um effizient produzieren zu können?
Anlagen, die bei uns in Südbayern geplant werden, sind mit der großen Rotorfläche und den Generatoren optimiert für die Windverhältnisse bei uns. Daher beginnen sie schon bei wenig Wind Strom zu erzeugen und erreichen relativ bald ihre Nennleistung. So kann möglichst viel Energie aus dem Wind gewonnen werden. Die Anlagen beginnen die Produktion schon bei bei einer Windgeschwindigkeit von rund 3 m/s.

Die volle Leistung wird bei Windgeschwindigkeiten von ca. 10-12 m/s erreicht. Bis Windgeschwindigkeiten von 25-33 m/s produzieren Anlagen dann auf Vollast. Anschließend beginnt langsam die "Sturmabschaltung", bei der mit steigender Windgeschwindigkeit die Flügel langsam aus dem Wind gedreht werden, bis die Anlage zum Stehen kommt. Dies dient dazu, die Anlagenteile bei sehr starken Stürmen zu schonen.

Themengebiet Wirtschaftlichkeit

Der Strompreis an der Börse liegt bei 4-5 Cent pro Kilowattstunde. Wieso rechnen Sie mit 7,3 Cent Vergütung?
Windkraftanlagen werden nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütet. Die Höhe der Vergütung wird mittels Ausschreibung gewonnen. Bei der letzten Ausschreibung lag der Zuschlagswert bei 6,14 Ct/kWh. Die tatsächliche Vergütung errechnet sich aus diesem Zuschlagswert für den Referenzstandort mit einem Korrekturfaktor des Gütefaktors bei Schwachwindregionen.

Trägt sich das Konzept von alleine oder bedarf es kommunaler oder staatlicher Zuschüsse? Wenn "ja" bei Zuschüssen: Wie sieht die Laufzeit und Höhe aus?
Als Förderung gilt die für 20 Jahre garantierte EEG-Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Themengebiet Rückbau / Recycling
Das aufwändige Recyclingverfahren (Zermahlen und Trennen) der Rotorblätter steckt noch in den Kinderschuhen. Wie können dazu die zukünftigen Kosten abgeschätzt und mitberücksichtigt werden?
Eine Windenergieanlage kann nur genehmigt und gebaut werden, wenn bereits vor dem Bau nachgewiesen ist, dass die Kosten für den Rückbau vorhanden und hinterlegt sind. Hier werden die Kosten nach aktuellem Stand der Technik sehr großzügig abgeschätzt. Mit der Weiterentwicklung der Recycling-Technologie ist davon auszugehen, dass die Kosten eher sinken werden. Mit diesem Vorgehen kann sichergestellt werden, dass die Windenergieanlagen nach Ende der Betriebszeit rückstandslos zurückgebaut werden können. 
 
Beinhaltet der Rückbau auch den Sockel? Muss beim Rückbau erneut Wald gerodet werden?
Die Kosten für den Rückbau beinhalten selbstvertständlich alle Kosten, auch die für den Rückbau des Fundamentes. Eine weitere Waldrodung ist nicht vonnöten, vielmehr kann die baumfreie Fläche nach dem Rückbau wieder vollständig aufgeforstet werden.

Themengebiet Technik / Effizienz / Flächennutzung

Wie hoch ist der CO2-Aufwand zur Herstellung der Windkraftanlagen und wie hoch der Aufwand zur Entsorgung der Anlagen (ist derzeit noch nicht möglich, oder?)
Die Herstellungsenergie einer Windenergieanlage liegt bei ca. 3.500 MWh. Bei einem erwarteten Ertrag von ca. 7.000 MWh pro Jahr hat sich die Anlage demnach bereits bei 6 Monaten amortisiert.  

Die für Fundament, Turm und die technische Ausstattung verwendeten Materialien Beton und Metalle können vollständig recycelt und für andere Zwecke wiederverwendet werden, z.B. im Straßenbau. Verbundwerkstoffe für Gondel und Rotorblätter (glasfaserverstärkte Kunstharze – kurz GFK) können energetisch und stofflich verwertet werden. Weitere Infos hierzu finden Sie auch auf der Homepage: www.windenergie-hoehenkirchner-forst.de

Wie hoch sind die Windräder? Wie weit kann man sie sehen? Wie hoch ist die Geräuschentwicklung in Abhängigkeit von der Entfernung (insbesondere im Wald)?
Der Turm mit Rotorblatt wird eine Gesamthöhe von ca. 240 m haben. Der Auftrag für das Erstellen von Visualisierungen (Ansichten der Windenergieanlagen von diversen Standpunkten) ist bereits vergeben. Diese werden wir anschließend auf der Homepage veröffentlichen. Die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für Schall müssen eingehalten werden. Tatsächlich sind die modernen Windenergieanlagen (unter normaler Last) kaum hörbar. Am besten machen Sie sich selbst ein Bild von der Geräuschentwicklung in dem Sie z.B. im Landkreis Ebersberg das Windrad in Bruck oder die Windräder in der Gemeinde Fuchstal (auch Waldstandorte) besuchen!

Wie ist der dargestellte Flächenverbrauch bei Photovoltaik mit dem Flächenverbrauch bei Agro-Photovoltaik zusehen?
Agro-PV beschreibt die gleichzeitige Nutzung einer Fläche für Photovoltaikanlage und Landwirtschaft. Hierzu gibt es sehr unterschiedliche Modelle. Bei manchen Agro-PV-Anlagen ist der Abstand zwischen den Photovoltaikreihen so groß, so dass ein Durchfahren mit landwirtschaftlichen Maschinen möglich ist. Bei anderen Anwendung werden Tiere (meist Schafe) in einer "normalen" Photovoltaik-Freiflächenanlage gehalten. Wieder bei anderen Modellen wird die landwirtschaftliche Fläche mit Photovoltaikmodulen überdacht. Daher unterscheidet sich der Flächenertrag sehr stark und liegt bei gängigen Agro-PV-Anlagen zwischen 400.000 bis 800.000 Kilowattstunden pro Hektar.

Wie hoch ist das Windrad in Hamberg zum Vergleich?
Hamberg ist bis zur Rotorspitze ca. 60 m niedriger.

Wie groß ist die Fläche im Höhenkirchner Forst, die für die Windenergieanlagen benötigt werden (incl. Zuwegungen)?
Ca. 0,9 Hektar dauerhaft entwaldete Fläche, die zum Ausgleich am Waldrand wieder aufgeforstet wird. Ca. 0,9 Hektar entwaldete Fläche, die nach dem Bau der Anlagen direkt an Ort und Stelle wieder aufgeforstet werden.

Gibt es die Möglichkeit, im Falle von starken Resonanzeffekten die Drehfrequenz des Windrads zu ändern?
Durch die großen Abstände zu den umliegenden Ortschaften ist mit keiner Gefahr durch Infraschall zu rechnen. Dies belegen sämtliche wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema. Hier ist beispielsweise auf die Publikation des bayerischen Landesamts für Umwelt zu verweisen.

Themengebiet Lärm/Infraschall

Im Flyer heißt es, dass Infraschall schon mit wenig Abstand nicht wahrnehmbar ist und kein Zusammenhang zwischen Infraschall und Krankheiten besteht, wissenschaftlich bewiesen.
Wir verweisen hier auf eine Ausarbeitung des bayerischen Landeamts für Umwelt. Fazit: Da die von Windenergieanlagen erzeugten Infraschallpegel in der Umgebung (Immissionen) deutlich unterhalb der Hör- und Wahrnehmungsgrenzen liegen, können nach heutigem Stand der Wissenschaft Windenergieanlagen beim Menschen keine schädlichen Infraschallwirkungen hervorrufen. Gesundheitliche Wirkungen von Infraschall sind erst bei sehr hohen Pegeln zu erwarten, die dann im Allgemeinen auch wahrnehmbar sind. Nachgewiesene Wirkungen von Infraschall unterhalb dieser Schwellen liegen nicht vor.

Wie kommen Sie zu dieser Aussage? Auf Basis welcher wissenschaftlichen Arbeit ist diese Aussage getroffen?
Auch neuere Studien haben keine anderen Erkenntnisse gebracht.

Gibt es verschiedene Windanlagentypen mit unterschiedlicher Infraschallemission?
Windenergieanlagen erzeugen, wie sehr viele technische Anlagen oder auch natürliche Quellen, Infraschall. Da jedoch wissenschaftlich erwiesen ist, dass der Infraschall in geringen Entfernungen keine Rolle mehr spielt, ist dies kein Auswahlkriterium bei der Wahl des geeigneten Anlagentyps.

Themengebiet Windenergie im Wald

Windenergie ist an sich etwas Gutes, Waldzerstörung ist hingegen etwas Schlechtes. Wie kann man dann etwas Gutes tun wollen und gleichzeitig etwas Schlechtes tun, indem man den Wald teilweise zerstört!?
Nur wenn wir die Erderhitzung stark einbremsen können, werden wir den Wald, so wie wir ihn heute kennen, erhalten können. Aus diesem Grund sind die sehr geringen Eingriffe in den Wald im Vergleich zu dem hohen Klimaschutznutzen gerechtfertigt.

Ist es richtig, dass die 10H-Regel kein Muss ist, sodass die Gemeinde Spielraum hätte, um den Wald zu verschonen?
Wenn alle emissions- und naturschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten werden können, kann die Gemeinde durch Bauleitplanung Flächen für Windanlagen ausweisen, die einen geringeren Abstand als 10H aufweisen.  

Wurde außerhalb des Forstes gründlich recherchiert, wo man Windanlagen überall aufstellen könnte, so dass der Forst von der teilweisen Zerstörung verschont werden kann?
Dies wurde bereits bei der gemeindlichen Konzentrationsflächenplanung 2012 gemacht.

Ist eine Ersatzaufforstung, wenn ja wo, geplant und in welcher Größe nötig?
Ca. 1,2-mal der Rodungsfläche direkt am Forst.

Themengebiet Landschaftsbild

Warum baut man die Windräder nicht ausschließlich an den Autobahnen entlang, um das Landschaftsbild nicht zu zerstören?
Auch entlang von Autobahnen spielt die 10-H-Regel eine Rolle und schließt viele potenzielle Flächen aus. Wohnbebauung darf teilweise dicht an die Autobahn heranwachsen, weil aber das Windrad zehn Mal so weit von dieser Wohnbebauung entfernt sein muss, wie es hoch ist, sind nicht alle Flächen umsetzbar. Beispiel: Das Autobahnkreuz zwischen der A8 und der A99 ist nur 1 Kilometer von der Gudrunsiedlung entfernt und damit nach der 10-H-Regel nicht geeignet. Gleiches gilt z.B. für einen Standort am Rasthof Vaterstetten, der unter 2 Kilometer von Siedlungen wie Ottendichl und Weißenfeld entfernt ist.

Wer leistet die Ersatzzahlungen zur Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und an wen fließen diese Gelder?
Diese Gelder müssen vom Projektierer an den bayerischen Naturschutzfonds geleistet werden. Diese sind somit in den Gesamprojektkosten fest mit eingeplant. Das Geld kann dann wiederrum vor Ort für Maßnahmen verwendet werden.

Themengebiet Artenschutz

 

Werden nicht durch den Bau, die Bewegung und den Schall Lebensraum von Tieren und Vögeln gestört oder vernichtet?
Durch die artenschutzrechtliche Untersuchung wird festgestellt, wo und in welchem Maße Lebensräume von Tieren durch das Projekt beeinträchtigt werden. Auf Grundlage dieser Untersuchung können Standorte mit geringerem Risiko ausgewählt werden.

Der Bau eines Windrads bedeutet, wie jedes andere Bauprojekt, zweifelsohne einen Eingriff in den Naturhaushalt. ABER: selbstverständlich wird schon beim Bau auf den Schutz der Tiere geachtet. So wird beispielsweise momentan untersucht, ob es ein Haselmausvorkommen vor Ort gibt. Wird dies festgestellt, kommen Bauzeitenbeschränkungen zum Tragen.

Werden beispielsweise Gelbbauchunken festgestellt, wird ein Amphibienschutzzaun aufgestellt. Es wird gerade auch geprüft, ob Waldschnepfen vorkommen, diese sind eher schallempfindlich. Wird ein Vorkommen festgestellt, werden Ausweichquartiere geschaffen. Wald (und damit Lebensraum), der für die Baufelder weichen muss, wird an anderer Stelle neu aufgeforstet.

Bei nachtaktiven Vögeln wie Uhu und Eulen sowie Fledermäusen: Werden auch Nachtuntersuchungen angestellt?
Hier wird zwischen Vögeln und Fledermäusen unterschieden: Nachtaktive Vögel (Eulen und Käuze etc.) werden in mehreren Begehungen nachts detailliert untersucht. Dies wurde im Höhenkirchner Forst bereits im Februar begonnen und die Untersuchungen dauern immer noch an. Fledermäuse werden momentan auch untersucht. Hier liegt der Schwerpunkt aber auf den Quartieren am Boden, sodass sichergestellt werden kann, dass im Rahmen des Baus keine wertvollen Strukturen und Strukturverbünde zerstört werden.

Die Sicherheit der nachts auf Rotorhöhe fliegenden Fledermäuse wird durch ein Gondelmonitoring (Aufzeichnung aller Rufe in Rotorhöhe) während der ersten beiden Betriebsjahre und durch einen daraus abgeleiteten Abschaltalgorithmus während der gesamten Betriebsdauer sichergestellt. Durch den Abschaltalgorithmus wird das Windrad bei fledermausfreundlichen Bedingungen (wenig Wind, warme Temperaturen, kein Niederschlag) nachts konsequent abgeschaltet.

Gibt es bei den Tierschutzuntersuchungen auch NoGo-Funde? Oder geht es da vor allem um Kompensation?
Die Untersuchungen decken alle Teilbereiche ab. Es wird untersucht, welche Vögel und Tierarten im Forst vorkommen. Es wird geklärt, welche Tiere gefährdet sein könnten. Zudem wird auch der Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild bewertet.

Wie schnell lässt sich ein Windrad abschalten – aus vollem Betrieb?
Das Abschalten ist innerhalb kürzester Zeit (wenige Sekunden) möglich. Dabei werden die Flügel eingedreht, sodass die Windströmung abreißt und das Windrad sofort zum Stehen kommt.

Themengebiet Standort / Wasserschutzgebiet

Warum muss es genau dieser kleine Winkel im Höhenkirchner Forst sein, obwohl im Bayerischen Energie-Atlas weit größere Flächen noch dazu mit günstigeren Windverhältnissen ausgewiesen sind? (Gebietskulisse Windkraft)
Die Anlagen werden nur gebaut, wenn sie wirtschaftlich betrieben werden können. In den nächsten Jahrzehnten werden sicher auch andere Eignungsflächen noch bebaut. Die Energieziele in Höhenkirchen können nicht durch Zubau anderswo erreicht werden.

Gibt es bereits eine Fotomontage, wie die Windanlagen vom östlichen Ortsrand in Siegertsbrunn aus zu sehen wären? Wenn ja, wo? Wenn nein, könnten Sie eine solche bitte erstellen lassen, dass man sich das besser vorstellen kann?
Die Visualisierung der potenziellen Windenergieanlagen ist bereits beauftragt. Die Ergebnisse werden auf der Homepage veröffentlicht.

Wann ist in Deutschland eine Sättigung mit Windkraftanlagen erreicht, weil der produzierte Strom in den Spitzen nicht mehr an den Mann zu bringen ist? Schon heute zahlen wir teilweise viele Geld für die "Entsorgung" von Strom, den keiner abnehmen möchte.
Diese Aussage ist so nicht richtig. Tatsache ist, dass wir eine europäische Stromverbundlösung brauchen, um auch zukünftig und günstig sowie dauerhaft ausreichend Strom zur Verfügung zu haben.

Steht der Standort bereits fest?
Die groben Standorte sind durch die 10H-Regel vorgegeben.

Tiefbauarbeiten im Wasserschutzgebiet (Auf- und Rückbau): Wie wird die Wasserreinheit sichergestellt? Wer überwacht diese?
Windenergie und Wasserschutz stehen sich nicht grundsätzlich entgegen, eine Windenergieanlage bedeutet keine Gefährdung des Grundwasserschutzes. Aber um Baumaßnahmen im Wasserschutzgebiet durchzuführen, bedarf es der genauen Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt und dem Landratsamt. So wird ein Maßnahmenpaket zum Schutz des Wassers erstellt. So können beispielsweise zusätzliche Grundwassermessstellen errichtet werden.

Themengebiet Sonstiges

Bei Solarparkprojekten im Ausland werden für die Gemeinde gemeinnützige Projekte vom Projektbetreiber mitgetragen (z.B. Schwimmbäder, neue Straßen, Aufforstungsprojekte). Was würde der Projektentwickler den Gemeinden Höhenkirchen und Egmating anbieten?

Wie die Einnahmen der Gemeinden durch Gewerbesteuer oder einer Beteiligung verwendet werden, entscheidet der jeweilige Gemeinderat.

Frage an Herrn Göbel (Landrat Landkreis München)

Warum unterstützten wir staatlich den Bau einer Windkraftanlage, deren Wirtschaftlichkeit sich nur "künstlich" auf Basis der 29%-igen Förderung von Schwachwindgebieten ergibt, wenn dadurch im nahen Umland der Bau alternativer Anlagen verhindert wird, die a) mit weniger Förderung auskommen und b) gleichzeitig einen deutlich höheren Beitrag zur Energiewende bei c) höherer Bürgerakzeptanz leisten könnten?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht für Gegenden mit geringer Windhöffigkeit etwas höhere Vergütungssätze vor, als dies in Starkwindgebieten der Fall ist. Ich halte diese Regelung für nachvollzieh-bar, weil Sie dazu beiträgt, dass sich eine gleichmäßiger über Deutschland verteilte erneuerbare Energie-erzeugung entwickeln kann. Wie schon in der Veranstaltung erwähnt wurde, halte auch ich es für im-mens wichtig, auch im Süden unseres Landes jederzeit Strom zu bezahlbaren Preisen und mit hoher Ausfallsicherheit zur Verfügung stellen zu können, insbesondere auch zur Sicherung der in unserem Land-kreis vorhandenen Arbeitsplätze.

Da auch der Bau von Stromtrassen von Norden nach Süden in der Be-völkerung höchst umstritten ist, halte ich es aus Gründen der Daseinsvorsorge für richtig, dass die Gemeinden alle Möglichkeiten der alternativen Energieerzeugung vor Ort prüfen. Der Landkreis München unterstützt die Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn in diesem frühen Stadium des Projekts deshalb organisatorisch und auch finanziell. Das Projekt hat über die Gemeindegrenzen hinaus regionale Bedeutung und ist auch für das Erreichen der Klimaziele des Landkreises München wichtig.

Nur wenige Gemeinden im Landkreis München haben überhaupt die Möglichkeit, Windenergieanlagen zu errichten. Es ist mir aber wichtig zu erwähnen, dass die Kommunen ein solches Projekt nur befürworten werden, wenn es wirtschaftlich ist. Im Falle einer Realisierung ist vorgesehen, dass alle finanziellen Auslagen der Kommunen an die Projektentwicklungs-/Betreibergesellschaft weitergegeben werden, da sie ja Projektentwicklungskosten im eigentlichen Sinne darstellen.

Wie Sie wissen, wollen wir im Rahmen der 29++ Klima. Energie. Initiative unsere CO2-Emissionen pro Landkreisbürgerin oder -bürger bis 2030 auf 6 Tonnen reduzieren. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und ich befürchte, dass wir nicht auf bestimmte Energieträger, beispielsweise die Windenergie, verzichten können, weil ohnehin genügend andere Energiequellen zur Verfügung stehen würden. Die Realität zeigt leider ein anderes Bild: Im Jahr 2016 betrug der Anteil der erneuerbaren Energieerzeugung am Gesamtenergiebedarf im Landkreis München gerade mal 10,7 Prozent. Deshalb erscheint es mir wichtig, jedes Projekt zu verfolgen, aber selbstverständlich bei sorgfältiger Prüfung, auch im Hinblick auf etwaige negative Folgen.

Mir ist bisher nicht bekannt, dass durch den Bau einer Windenergieanlage der Bau alternativer Anlagen in unserem Landkreis verhindert werden würde. Dies sollte nicht passieren, noch dazu, wenn diese – wie Sie erwähnen – mit weniger Förderung auskommen, einen deutlich höheren Beitrag zur Energiewende erbringen und zudem eine höhere Bürgerakzeptanz genießen. Gerne können Sie mich aber über konkrete Anhaltspunkte informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Christoph Göbel


Hier finden Sie alle Fragen und Antworten als PDF zum Herunterladen.