E-Mobilität in der Tiefgarage

01.09.2020 | Projekt des Monats September 2020
Dass auch in 40 Jahre alten Tiefgaragen unter einem Wohnquartier E-Mobilität möglich ist, beweist eine Wohnungseigentümergemeinschaft in Ebersberg: Drei Wallboxen sind bereits installiert, die Vorrüstungen für die nächsten bereits vorhanden.
 
Michael Hahn (im Foto rechts) ist einer der Initiatoren der Nachrüstung. Der Anwohner im Eggerfeld findet Elektromobilität sinnvoll – genauso wie sein Nachbar Peter Kraume (links), der bisher seinen Firmenwagen nicht vor der Tür laden konnte, sondern immer öffentliche Ladesäulen im Stadtgebiet aufsuchen musste: „Es gibt einfach noch zu wenig Ladepunkte", sagt Peter Kraume.
 
Das wollten sie gemeinsam mit zwei weiteren Nachbarn der Siedlung ändern. Einmal eingeschlagen, ließen sich die vier Eggerfelder nicht mehr von dem Plan abbringen. „Wir haben ein richtiges Klinkenputzen betrieben, um die Anwohner von dem Plan zu überzeugen", sagt Hahn. Nicht die einzige Hürde des Projekts: „Es hat eine Zeit gedauert, bis wir die richtigen Betriebe für die Kombination von Elektroinstallation und Lademanagement von Wallboxen gefunden haben."
 
Mal sei ein Angebot viel zu teuer und aufwändig ausgefallen, mal habe man gar kein Angebot bekommen. Am Ende fand man mit YourCharge einen geeigneten Partner: „Das Unternehmen ist noch jung und unser Projekt ihr erster größerer Auftrag", sagt Michael Hahn. Das Aßlinger Unternehmen hat das Lastmanagement projektiert und so skaliert, dass kein neuer Stromanschluss zur Tiefgarage gelegt werden muss. Zugleich übernimmt YourCharge auch die Abrechnung.
 
Momentan verfügen drei Stellplätze über eine Wallbox, verteilt auf zwei Tiefgaragen. „Insgesamt haben wir 84 Stellplätze. Die Hälfte davon kann sofort mit Wallboxen nachgerüstet werden", erklärt Michael Hahn: „Denn vom Schalterschrank aus zieht sich ein neues, an der Betondecke montiertes Stromnetz zu den Verteilerkästen."
 
Jeweils vier Leitungen für Wallboxen mit bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung können daran angeschlossen werden. Ein sehr zukunftsfähiges, weit im Voraus gedachtes System, für dessen Installation die Firma Wieser Elektro aus Frauenneuharting verantwortlich war. Für die Grundinfrastruktur zahlen die E-Autonutzer einen jährlichen Beitrag von 200 Euro.
 
Dadurch werden die Kosten für den Aufbau und die Wartung des Systems wieder reingeholt, die nicht von der Eigentümergemeinschaft, sondern eben von den Nutzern getragen werden. „Auch die letzten Meter vom Verteiler bis zum eigenen Stellplatz sowie die Wallbox bezahlt jeder Stellplatznutzer selbst", sagt Peter Kraume, der sich nun die Wege zum Laden durch Ebersberg spart.
 
Vorerst rechnen Michael Hahn und Peter Kraume damit, dass der Anteil von Elektrofahrzeugen in beiden Tiefgaragen in den nächsten Jahren bei einem Drittel liegen wird. „Sollte jedoch mehr als die Hälfte umstellen wollen, können wir jederzeit nachrüsten", sagen sie.
 
 
Das Projekt des Monats finden Sie hier auch als PDF.