Nachhaltig sanieren statt neu bauen in Kommunen

Beim vierten Netzwerktreffen des kommunalen Klimaschutznetzwerks Ebersberg-München am Dienstag (24.03.) in Hohenbrunn setzten sich die Vertreter der teilnehmenden Kommunen intensiv mit dem Leitthema „Sanieren im Bestand statt Neubau" auseinander. Außerdem wurden die Zielsetzungen der einzelnen Gemeinden – etwa bei Energieverbrauch, CO?-Einsparung, Flächenentsiegelung und Wasserrückhaltung – besprochen und festgelegt.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Dr. Stefan Straßmair, Erster Bürgermeister der Gemeinde Hohenbrunn, die Teilnehmenden und unterstrich die zentrale Rolle der Kommunen im Klimaschutz: „Gerade wir als Gemeinden müssen heute Verantwortung übernehmen und konkrete Beiträge für die Zukunft leisten." In Hohenbrunn zeige sich dies unter anderem durch den verstärkten Einsatz der Holzbauweise – ein Ansatz, der sowohl ökologisch als auch langfristig wirtschaftlich sinnvoll sei.
Über 1.000 geplante Einzelmaßnahmen
Ein Schwerpunkt des Treffens war der Austausch über die Zielsetzungen innerhalb der dreijährigen Netzwerkphase. Sebastian Gröbmayr vom Institut für nachhaltige Energieversorgung (INEV), das gemeinsam mit der Energieagentur Ebersberg-München die Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen unterstützt, stellte das kumulierte Netzwerkziel vor: Insgesamt kommen die 17 beteiligten Kommunen auf rund 1.730 Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr, die sich aus Energieeinsparungen errechnen.
Gröbmayr zeigte sich beeindruckt: „In diesem Maßnahmenpaket steckt enormes Potenzial – und es ist erst der Anfang. Wir sind überzeugt, dass daraus noch viele weitere Impulse entstehen werden, und freuen uns, diesen Prozess begleiten zu dürfen." Die über 1.000 geplanten Einzelmaßnahmen reichen von der Errichtung von Windkraftanlagen und dem Ausbau von Photovoltaik über die Sanierung von Bestandsgebäuden bis hin zu LED-Umrüstungen und der Entsiegelung von Flächen und der Planung von Wasserrückhalten. Ein zentraler Baustein ist zudem die Einführung von Energiemanagementsystemen, die nahezu alle Kommunen planen.
Rohstoffschatz oder Sondermüll?
Den fachlichen Rahmen setzte Professor Georg Sahner, ehemaliger Lehrstuhlinhaber für energieeffizientes Bauen an der Hochschule Augsburg und Leiter des Architekturbüros G.A.S. planen bauen forschen. In seinem Vortrag gab er zahlreiche Impulse für die kommunale Baupraxis. Seine zentralen Botschaften: Sanierung sollte konsequent Vorrang vor Neubau haben, viele kleinere Projekte könnten oft wirkungsvoller als wenige große sein und Baustandards dürften zwar Orientierung geben, sollten aber individuelle und budgetgerechte Lösungen nicht behindern.
Darüber hinaus betonte Sahner grundlegende Prinzipien nachhaltigen Bauens: Holz sei als Baustoff anderen Materialien in der Ökobilanz überlegen, Gebäude sollten durch flexible Nutzung möglichst lange in Betrieb bleiben und bei jedem Bauvorhaben müsse die Kreislauffähigkeit mitgedacht werden. Seine zugespitzte Frage: „Ist ein Gebäude am Ende des Lebenszyklus ein Rohstoffschatz oder Sondermüll?"
Charakter und Natur von Orten erhalten
Ein konkretes Praxisbeispiel stellte Jörg Moser von OLUFEMI MOSER Architekten vor. Am Beispiel der Sanierung eines Kindergartens aus den 1970er Jahren in der Gemeinde Feldkirchen plädierte er für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Bestandsgebäuden. Statt diese grundsätzlich infrage zu stellen, müsse die zentrale Frage lauten: „Was kann ich mit dem Gebäude sinnvoll machen?" Eine sorgfältige Bestandsanalyse im Vorfeld schaffe Planungssicherheit und helfe, Kostenrisiken zu minimieren. Darüber hinaus sei es wichtig, alle Akteure von Anfang an einzubinden, um eine gemeinsame Vision zu entwickeln.
Im konkreten Projekt zeigte sich, dass eine Sanierung nicht nur Ressourcen schont, sondern auch den Charakter und die Natur des Ortes erhält. Ein Neubau hätte erhebliche Eingriffe bedeutet, etwa durch notwendige Baumfällungen. Mosers Fazit: Wenn ein Bestandsgebäude seine Funktion erfüllen kann, also eine ausreichend gute Substanz aufweist, ist die Sanierung meist nicht teurer als ein Neubau.
Michael Pommer, Kommunalberater bei der Energieagentur Ebersberg-München und Netzwerkmoderator, zog ein klares Fazit: „Die heutigen Impulse sind ein Anstoß, jetzt ins Handeln zu kommen – den Bestand wo möglich zu erhalten, Sanierung vor den Neubau zu stellen, ganzheitlich zu planen, aber dabei einfach und praktikabel zu bleiben und die Ansprüche an Gebäude und deren Funktionen nicht zu hoch zu stecken."
Nächstes Treffen zum Thema Geothermie
Das Netzwerktreffen in Hohenbrunn machte deutlich, dass der Schlüssel zu mehr Nachhaltigkeit im kommunalen Bauen nicht allein in innovativen Technologien liegt, sondern vor allem in einem veränderten Verständnis von Planung, Nutzung und dem Wert bestehender Gebäude. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in den Kommunen weiter vertieft und in konkrete Projekte überführt werden.
Das nächste Treffen des Netzwerks steht bereits fest: Im Mai lädt die Gemeinde Poing zum Thema „Wärmeplanung und Geothermie" ein.
Die im Klimaschutznetzwerk Ebersberg-München mitwirkenden Kommunen sind namentlich: Anzing, Poing und Zorneding (alle Landkreis Ebersberg), Baierbrunn, Feldkirchen, Haar, Hohenbrunn, Kirchheim, Neubiberg, Neuried, Planegg, Pullach, Schäftlarn, Straßlach-Dingharting, Unterhaching (alle Landkreis München), Fahrenzhausen (Landkreis Freising) und Puchheim (Landkreis Fürstenfeldbruck).













